Zungen aus Feuer
Zungen aus Feuer › Ghazal und Liebesdichtung

CCCVI — Er sang von seiner jugendlichen Liebe

6 Verse
Zum Kontext

Die Geliebte stammt „aus einem königlichen Geschlecht der Rūm" — eine byzantinisch-griechische Herkunft, ungewöhnlich konkret für ein Ghazal. Der „Kampf ohne Waffen" (Vers 5–6) beschreibt, kaum verhüllt, den Vollzug der Liebesnacht selbst.

01Da war jene mit den Zöpfen, die nach Moschus dufteten, mit der ich all meine Wünsche erfüllte und nichts anderes mehr ersehnte.
02Zart, aber von stolzer Eigenliebe bestimmt, nutzte sie ihre Koketterie in jeglicher Weise.
03Trotzig, aus einem königlichen Geschlecht der Rūm, erhob sie sich, um einen kühnen Streiter von der Eroberung ihrer Festung abzuhalten.
04Mit einer Wange, auf der eine zarte Rose leuchtete, und mit einem zarten Zweig, der sich mit den Äpfeln wiegte.
05Zwischen uns entstand ein verbissener Kampf, in dem man weder Schwert noch Schild gebrauchte.
06Aus ihr kam die rote Seele hervor, aus mir floss die weiße.

Vers 6, „rote/weiße Seele": vermutlich eine sublimierte Beschreibung der Entjungferung — Blut und Samen als getauschte „Seelen", nicht wörtlich benannt.

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