Zungen aus Feuer
Zungen aus Feuer › Qasiden und Qasidenfragmente

CCCLVI — Lob des Richters Abū-l-Ḥasan ʿAlī b. al-Qāsim b. ʿAšra (Fragment)

12 Verse, Fragment
1–6 Lob des Richters 7–12 Das Meer als Gegenbild
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Das Manuskript nennt das Stück eine panegyrische Qaside; erhalten ist ein Fragment aus einer langen Qaside, gerichtet nicht an einen Herrscher, sondern an einen Richter (Qāḍī). Auf das Lob des Gelehrten und Gebers (Vers 1–6) folgt ein Meeresbild (Vers 7–12): Das tobende, schiffeverschlingende Meer dient als negatives Gegenbild des Gönners, der Hoffnung öffnet, wo das Meer Türen mit den Ketten des Sturms verschließt, und dessen Weisheit als Perle den Wert behält, den das Meer verliert.

01Oh Qadi von scharfem, durchdringendem Geist, Fackel des rechten Lebens, der das Unrecht klar beschreibt.
02Oh Berg des Wissens, an dessen Fuß sich uns ein sanfter Anstieg an seinen Flanken zeigt.
03Ich bereiste die Erde auf den braunen Streitrössern der Liebe, und eine solche Reise besteht man weder auf Grautier, trabendem Kamel oder zu Fuß.
04Gäbe es nicht die Zuflucht des ibn-Qasim, Spender des Reichtums, man hätte bei keinem Großzügigen Rast machen können.
05Seine Besitztümer waren hier und dort verstreut, er verschenkt, als wäre die Freigebigkeit ein Wahn.
06Welch Sicherheit und Ruhe kann man noch haben, wenn man über seinem Haupt ein gezücktes Schwert fürchtet, in der Hand eines, der seinen Tod will.
07Das Meer gerät in Raserei und schäumt, wie Kamele, die spucken und geifern aus ihrem Maul.1
08Weswegen Du entkommst, während es seine Schiffe sinken lässt, und Du beschenkst jenen, der sich an Dich wendet, während er Dir nichts gibt.
09Und Du öffnest die Tür zur Hoffnung, und seine Tür ist oft verschlossen durch die Ketten des Sturms.
10Von ihm wird das Ruder der Schiffe weggerissen, während Du nie den Boden derer unter den Füßen wegreißt, die sich an Dich wenden.
11Deine Weisheit ist eine Perle, die keinen Preis hat, während sein Wert mal steigt, mal sinkt.
12Sie ist wie süßes Wasser, trinkbar, wegen Deiner Umgangsformen, die Du pflegst, finden sie in Deinem Hause Nahrung.
  1. Šaqāšiq (Vers 7): der Gaumensack des Kamels, den brünstige Hengste schäumend aus dem Maul stülpen.
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