01Zur Weide der weißen Schwerter wird das Feld der Schlacht,
Feindesblut erblüht zu Blumen, die die Wiese lächelnd zur Schau stellt.
02Verwegen in der Schlacht tragen die Streitrösser sie hinweg
über das vergossene Blut geschwungener Lanzen.
03Wie glänzende Sterne steigen sie herab in vorderster Front,
versinken in Wolken aus Staub, aus denen es Blut regnet.
04Selbst Löwen fürchten sie und verlassen ihr Revier,
wenn sie herabsteigen und ihre Zelte dort aufschlagen.
05Schau, wie die Luft bald aufleuchtet, bald sich verdunkelt —
vom Leuchten der Lanzen und vom Staub der Schlacht, der sich erhebt.
06Beredt und erhaben ist ihr Schweigen am Anfang der Schlacht.
Die Sprache der Schwerter können alle verstehen.
07Sie halten ihre Worte in Händen, wenn sie Hälse durchtrennen,
als könnten diese Worte Gestalt annehmen.
08Wenn Schicksal und Tat in den Seelen der Tapferen eins werden im Krieg
— dann sind sie ganz bei sich selbst.
09Beduinen — am treuesten sind sie in den Widrigkeiten ihrer Leidenschaft.
Sie spornen ihre Pferde und Kamele zum Äußersten, Galopper von edlem Geblüt.
10Dort begleitete ich sie in die wilden, öden Gegenden,
wo der Wolf heult und die Gazelle klagt.
11Benetze, oh Herr, mit süßen Tränen das Auge, das die Länder beweint,
wo der Körper ein Herz hat — Sklave der Liebe.
12Länder, wo die leuchtenden Sterne mir im Aufgehen begegnet sind,
aber die im Schlaf versunkenen nicht heilen konnten.
13Ein Land, in dem das Lächeln jede deiner Sorgen
und der Genuss die Folgen allen Unheils auslöscht.
14Wie viele Freunde habe ich dort, mir aufrichtig verbunden,
sie stehen mir bei, selbstlos, voll Eifer nur die Ehre suchend.
15Gießen Höflichkeit in die Hände der Gäste,
wie sehr sie auch vor Kühnheit lodern mögen.
16Selbst wenn die tapfern Feinde fliehen, folgen sie ihnen noch,
ihre unverletzlichen Schwerter heiligen in ihren Händen das Blut der Feinde.
17Um sie türmen sich die Wellen eines Meeres, die sie, so scheint es,
mit einem glänzenden Panzer bekleiden — dessen Kettenringe von ihnen selbst fest gewoben sind.
18Wir sind die Söhne der Grenze, wir, deren Zähne lächeln,
wann immer der Krieg sich finster zeigt.
19Von der Milch der Adern am Halse sind unsere Söhne aufgezogen,
entwöhnt im Schoße der Schlacht.
20Wir bilden die Nachhut des zahlreichen Heeres. Die Vorhut ist dort,
wo die Spitzen der braunen Lanzen zersplittern.
21Nenn mir die Zahl unserer Reiter? Jeder von uns zählt doppelt.
Ein jeder von uns Tapferen gilt für ein ganzes Heer.
22Die Armee geht voran. Wir bleiben in der Nachhut,
bereit, jedwedes Schicksal abzuwehren, das gegen uns vorrückt.
23Immer wieder hat sich das Kriegsglück gegen uns gewandt.
Das schreckt uns nicht: nicht alle fallenden Sterne treffen.
24Am Tag der Schlacht werden durch das Traben unserer Pferde
von Geiern bestickte Mäntel über uns gewebt;
25denn wenn ein Tapferer sein Schlachtross besteigt und es ins Getümmel der Schlacht wirft,
verschafft er den Raubvögeln Nahrung.
26Da fliegt er mit lockeren Zügeln dahin, besiegt die Blitze im Lauf —
niemand würde seine Überlegenheit bezweifeln.
27Wir schlugen die Feinde Gottes in ihrem eigenen Heim,
mit einer Schar, die sich in den Abgrund des Todes stürzt.
28Unter Deck trugen die Schiffe die Tapferen mitten unter die Barbaren,
rudernd wie Adler, die sich kreisend in den Lüften wiegen.
29Manche Schiffe sind trächtig, ohne je von einem Hengst besprungen zu sein.
Sie gebären das Unheil an den Küsten der Rum.
30Andere sind zur Seeschlacht bestimmt; Schiffe gebaut für den schnellen Adler-Flug,
Kämpfer, die mit Löwen wetteifern.
31An Bug und Heck sind Bögen angebracht,
die Pfeile eingelegt.
32Sie schleudern Naphtha, das brennend auf dem Wasser treibt —
gleich dem Muhl, mit dem in der Hölle die Gesichter verbrennen.
33Es sind Städte, die die Städte der Barbaren bekämpfen — jene werden
mit Gewalt durch die Schwerter erobert und geplündert.
34Schau auf die Kämpfer, in ihren Hemden aus Eisen;
wenn selbst die Tapfern im Kriege weichen, bleiben sie kühn.
35Es scheint, sie sähen in den Ebenen ein Trugbild,
Kettenringe tragen sie wie Heuschreckenaugen am Leibe.
36Wir hielten dem Ansturm der Feinde stand, wie es Großmütige tun,
und kosteten den Honig erst, nachdem wir den bitteren Apfel geschluckt.
37Die Schläge unserer Streiter lassen Wunden in ihnen,
ihre Zähne werden angegriffen mit durchdringender Schneide.
38Denn das Eisen in unseren Händen ist bestimmt und beredt,
in den Händen der Feinde aber — wird es stumm.
39Die Flügel der Fahnen, die über uns wehen,
vom Blute der Tapfern gefärbt sind sie — rot wie Drachenblut.
40Durch leuchtende Wolken des Vaterlands erstrahlt kurz ein Blitz,
er hat uns gegrüßt wie ein Jongleur mit den Fingern.
41Er treibt uns die Tränen ins Auge und salbt sie mit
Kollyrium des Lichts — obwohl es dunkle Nacht ist.
42Oh wundersamer Besuch. Das Bild darin zeigt sich
dem Auge — ein Trugbild entsteht und formt Fantasie.
43Er wohnte in Saqi ʿAbrah, im Grenzland der Wüste,
ein Landstrich, vom Winde gepeitscht, der oft hier weht.
44Ich spüre den Atem, den scharfen Geruch der Wüste. Wer wagt,
hierher zu kommen, muss verdorrtes Land und ausgedehntes Meer überwinden.
45Aurora, die Morgenröte, bringt Licht in die Finsternis, sie erscheint wie ein Rappen;
die Brust gekleidet mit dem Schweiß des langen Ritts.
46Ich sehne mich nach meinem Vaterland, in dessen Staub
die Glieder und Gebeine der Verwandten verfallen.
47Genauso sehne ich mich nach Zuhause, wohin ich erschöpft,
durch Dunkel und auf falschen Wegen, vom Markte zurückkehre.
48Meine Hände sind leer von den Blumen der Jugend. Geblieben ist mir
der Mund voll Erinnerung an die ersten Leidenschaften.